Gerald Stitz empfiehlt:

Fergus Craig:
Betreutes Morden


Liebhaber von feinem englischen Humor kommen bei diesem Krimi voll auf ihre Kosten!

Carol Quinn ist gestandene Serienmörderin, hat endlich ihre Strafe verbüßt und lebt nun - reichlich unspektakulär - in einem Seniorenheim. Doch ihre Hoffnung auf ein geruhsames Leben wird schnell enttäuscht. Denn es geschieht ein Mord im Haus, und natürlich fällt der Verdacht auf sie. Zu prägend scheint ihre Vergangenheit, zu wenig traut man ihr einen Neuanfang zu.

Notgedrungen beginnt Carol, auf ihre ganz eigene Weise zu ermitteln. Unterstützt wird sie dabei von Mitbewohnern, die auch keine unbeschriebenen Blätter sind: eine ehemalige Innenministerin, ein Kriminalkommissar und eine Pathologin. Gemeinsam bewegt sich die schräge Gruppe durch eine Geschichte, die weniger auf klassische Spannung setzt als auf ihre Figuren, die Dialoge und den schon erwähnten schwarzen Humor.

Was “Betreutes Morden” dabei besonders macht, ist der Ton. Fergus Craig erzählt ruhig, beinahe beiläufig, und lässt gerade dadurch die Absurdität der Situation umso stärker wirken. Zwischen skurrilen Begegnungen und pointierten Gesprächen blitzen immer wieder ernstere Gedanken auf: über Schuld, über Alter, über die Möglichkeit, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben.

Das Seniorenheim wird dabei zur kleinen Welt im Großen - ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart unweigerlich aufeinandertreffen. Hinter der humorvollen Oberfläche verbirgt sich eine leise Melancholie, die dem Roman eine zusätzliche Tiefe verleiht.

Natürlich ist die Handlung nicht frei von Konstruktion, und wer minutiöse Polizeiarbeit erwartet, wird hier nicht fündig. Doch das ist auch gar nicht der Anspruch dieses Buches. Es geht vielmehr um Figuren, um Haltung, um das Spiel mit Erwartungen - und um die Frage, ob ein Mensch mehr ist als seine Geschichte.

Ich habe das Buch an zwei Tagen durchgelesen und mich keine Minute gelangweilt.

Verlag: Aufbau Taschenbuch
erschienen am 11. Februar 2026
318 Seiten
16 Euro