Gerald Stitz empfiehlt:
Ayelet Gundar-Goshen:
Ungebetene Gäste
Ein Hammer fällt vom Balkon in einer israelischen Stadt, ein Junge ist tot. Man beschuldigt den arabischen Handwerker, war das nicht ein Terroranschlag? Die Rachegelüste treiben die Leute im Viertel fast zu einem Mord, nur Naomi, die weiß, dass ein Unschuldiger im Gefängnis sitzt, schweigt. Wenig später bringt sie den Mut auf, die Wahrheit zu sagen, doch der Tod eines Menschen lastet auf ihr, das Gefühl, Leid und Hass heraufbeschworen zu haben.
Vor den Blicken der Nachbarn und den eigenen Schuldgefühlen flieht sie mit der Familie nach Nigeria, ihr Mann hat sich dort für einen Auslandseinsatz gemeldet. Beide möchten Abstand zu dem Geschehenen gewinnen, aber in Lagos toben Bandenkriege, Sicherheit für Nicht-Einheimische ist nur hinter hohen Mauern zu finden. In der kleinen Gemeinschaft israelischer Gleichgesinnter scheint das Leben noch schwieriger als im heimischen Viertel. Kann die reiche Nigerianerin Ayobami eine neue Freundin werden? Oder die Psychologin Noga, die sich um die Schreianfälle ihres Sohnes kümmern soll? Die alten Gewissensbisse bleiben, neue Probleme tauchen auf…
In diesem Buch wird der Leser in einem atemberaubenden Tempo hineingezogen in die gespaltene israelische Gesellschaft. Kleinste Unregelmäßigkeiten im Alltag lassen hier Schlimmes befürchten, die Suche nach Normalität ist eine Lebensaufgabe.
Die Autorin Ayelet Gundar-Goshen, selbst als Psychotherapeutin in Tel Aviv tätig, ist mit den Folgen traumatischer Erfahrungen vertraut. Packend wie schon in ihren vorigen Romanen erzählt sie vom Umgang mit Verantwortung, scheinbar unauflöslichen Widersprüchen und schicksalhaften Verstrickungen. Dabei zeigt sie bei aller Kritik an den politischen Umständen immer Verständnis für das zutiefst Menschliche in den Figuren ihrer Geschichte.
Wer mehr über das Innere des israelisch-palästinensischen Konfliktes erfahren will, lese dieses Buch!
Verlag: Kein & Aber
erschienen am 14. Juni 2025
306 Seiten
25 Euro